Nicht nur die markante Form mit dem achteckigen Fachwerk-Turmaufsatz und dem doppelten Zwiebeldach ist es, was die Gochsheimer St.-Martins-Kirche so einzigartig erscheinen lässt. Es ist vor allem auch die dominierende städtebauliche Situation: Egal, von welcher Seite aus man sich Gochsheim nähert, die alles überragende Kirche ist der Mittelpunkt, ist der Höhepunkt. Dem Verfasser ist kein vergleichbar prägnantes städtebauliches Ensemble bekannt.

Das mittelalterliche Städtchen wurde im 12. Jahrhundert aus der Lage in der Talaue, wo Gochsheim schon 804 als zum Besitz des Kloster Lorch gehörig genannt wird, an den heutigen Standort verlagert. Hier, auf dem langgezogenen steilen Felssporn, der fast wie eine Insel dreiseitig durch das Tal des Kraichbachs eingeschnürt wird, hier hatten die Herren von Eberstein eine Burg errichtet und den leibeigenen Bauern das attraktive Angebot zur Ansiedelung gemacht: "Stadtluft macht frei"- nach einem Jahr und einem Tag waren die Neuansiedler freie Stadtbürger. Marktrecht, der unmittelbare Schutz der Grafen von Eberstein, Handel und Wandel, die Handwerkszünfte, die Stadtmauer als Außenschutz - all dies sorgte für eine schnelle Blüte Gochsheims, und von Anfang an stand auch die Kirche im Mittelpunkt des Lebens.
Als Folge mehrerer Kriege und Brände mußte die Kirche mehrmals wieder aufgebaut werden.Der Name St. Martin wurde wohl im Jahre 1499 von der alten Kirche auf den Neubau übertragen, die am Standort der "Stat Capell" errichtet worden war. 1556 wurde die St. Martinskirche evangelisch. Die letzte große Baumaßnahme erfolgte im Jahre 1788.






