Die Gochsheimer Sankt-Martins-Kirche

Zur Geschichte von Stadt und Kirche

Nicht nur die markante Form mit dem achteckigen Fachwerk-Turmaufsatz und dem doppelten Zwiebeldach ist es, was die Gochsheimer St. Martinskirche so einzigartig erscheinen läßt. Es ist vor allem auch die dominierende städtebauliche Situation: Egal, von welcher Seite aus man sich Gochsheim nähert, die alles überragende Kirche ist der Mittelpunkt, ist der Höhepunkt. Dem Verfasser ist kein vergleichbar prägnantes städtebauliches Ensemble bekannt.

Das mittelalterliche Städtchen wurde im 12. Jahrhundert aus der Lage in der Talaue, wo Gochsheim schon 804 als zum Besitz des Kloster Lorch gehörig genannt wird, an den heutigen Standort verlagert. Hier, auf dem langgezogenen steilen Felssporn, der fast wie eine Insel dreiseitig durch das Tal des Kraichbachs eingeschnürt wird, hier hatten die Herren von Eberstein eine Burg errichtet und den leibeigenen Bauern das attraktive Angebot zur Ansiedelung gemacht: "Stadtluft macht frei"- nach einem Jahr und einem Tag waren die Neuansiedler freie Stadtbürger. Marktrecht, der unmittelbare Schutz der Grafen von Eberstein, Handel und Wandel, die Handwerkszünfte, die Stadtmauer als Außenschutz - all dies sorgte für eine schnelle Blüte Gochsheims, und von Anfang an stand auch die Kirche im Mittelpunkt des Lebens.

Als Folge mehrerer Kriege und Brände mußte die Kirche mehrmals wieder aufgebaut werden.Der Name St. Martin wurde wohl im Jahre 1499 von der alten Kirche auf den Neubau übertragen, die am Standort der "Stat Capell" errichtet worden war. 1556 wurde die St. Martinskirche evangelisch. Die letzte große Baumaßnahme erfolgte im Jahre 1788.
 

Die Glocken

Über die Glocken ist ebenfalls interessantes zu berichten: Die Glocken von 1499 oder 1617 sind zum ersten Mal beim Brand von 1689 geschmolzen vom Turm heruntergeflossen. Der Metallhaufen wurde durch den Glockengießer Rosiers, damals zu Rottenburg a. N. ansässig, zu drei neuen Glocken gegossen. 35 Jahre später schmolzen diese Glocken abermals beim Brand von 1739 und wurden wiederum zu neuen Glocken nachgegossen. Die größte dieser Glocken ist heute noch vorhanden; sie war zu schwer, um im zweiten Weltkrieg wie die zwei kleineren zu Rüstungszwecken ausgebaut zu werden. So stammt zumindest das Metall der großen Gochsheimer Glocke von 1617 oder früher.

(Quelle: Heimat- u. Museumsverein Kraichtal e.V., Vereinsnachrichten Ausgabe 2/1999)

 
Sankt-Martins-Kirche

Quelle: Ev. Kirchengemeinde Gochsheim

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